Zinserträge aus Geschäftskonto-Einlagen versteuern

Zinserträge

Wie Sie Zinserträge versteuern müssen

Die wenigsten Banken zahlen heute noch Zinsen auf Girokonten. Dies gilt auch für Firmenkonten. Früher oder später muss sich jedoch auch ein Jungunternehmer mit dem Thema der Rücklagenbildung beschäftigen. Sinnvollerweise erfolgt diese Bildung von Reserven über ein Tagesgeldkonto. Im Web finden sich etliche Informationsquellen für Business Tagesgeldkonten, die aber überwiegend nur eine sehr begrenzte Zahl an Anbieterbanken auflisten. Auf  tagesgeldvergleich.com/tagesgeld-fuer-geschaeftskunden gibt es dagegen eine umfangreiche Liste, die nach Angaben der Webseite jeden Tag die Zinskonditionen von Kreditinstituten, die Tagesgeld für Existenzgründern, Selbstständige Gewerbetreibende etc. anbieten,  anzeigt.

Tagesgeldkonten zur Liquiditätsvorsorge sinnvoll

Im Zweifelsfall kann jederzeit über die Einlage verfügt werden, wenn Bedarf an liquiden Mitteln besteht. Der Vorteil gegenüber einem Kontokorrentkonto liegt darin, dass zumindest ein gewisser Zinssatz auf die Einlage erzielt wird. Termingelder sind nur dann empfehlenswert, wenn es sich um Rücklagen handelt, deren Verwendungszeitpunkt bereits feststeht. Da Termingelder nur mit Zinsverlusten vorzeitig aufgelöst werden können, sind sie für eine generelle Bildung von Rücklagen denkbar ungeeignet. Wer sich erstmalig mit dem Thema Besteuerung von Zinserträgen auf Geschäftskonten beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es gravierende Unterschiede zu der Besteuerung als Privatperson gibt.

Freistellung nicht möglich

Der erste Unterschied zwischen privaten und geschäftlichen Zinserträgen basiert auf dem Freistellungsauftrag. Dieser kann nur für private Konten, nicht jedoch für Geschäftskonten gestellt werden. Wird eine Zinszahlung beispielsweise auf ein geschäftliches Tagesgeldkonto fällig, führt die kontoführende Bank, analog zu einem privaten Konto, 25 Prozent Steuern zuzüglich Solidaritätszuschlag ab. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine abgeltende Steuer, durch die keine weitere Besteuerung mehr fällig wird, sondern lediglich um eine Steuervorauszahlung, bezeichnet als Kapitalertragssteuer. Einkünfte aus Kapitalanlagen, die auf Geschäftskonten erwirtschaftet werden, haben im Rahmen der Besteuerung den gleichen Stellenwert wie Verkaufserlöse oder Provisionseinnahmen. Es sind Betriebserlöse, die in voller Höhe in die Besteuerung einfließen.

Zinserträge auf Firmenkonten bei Gewerbetreibenden vierfach belastet

Ein Einzelunternehmer, der Zinsen auf die Rücklagen auf dem Tagesgeldkonto erhält, muss mit einer vierfachen Belastung rechnen. Zum einen fließen die Zinsen in die Gewinn- und Verlustrechnung mit ein. Diese bildet die Grundlage für die spätere individuelle Besteuerung.  Überschreitet sein Gewinn als Gewerbetreibender den Freibetrag für die Gewerbesteuer, muss er für den Betrag, der die Freigrenze übersteigt, Gewerbesteuer entrichten. Dies schließt auch die Zinserträge mit ein. Gewerbetreibende sind zwangsläufig Mitglieder der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK). Der jährliche Beitrag errechnet sich aus dem Gewinn. Da die Zinsen in die Gewinne  einfließen, werden sie indirekt anteilig auch mit dem Beitrag für die IHK belegt. Gewerbesteuer und IHK betreffen zwar keine Freiberufler, diese verzeichnen für die Zinserträge zumindest eine doppelte Belastung. Für gesetzlich krankenversicherte Teilhaber an Personengesellschaften, auch bei Einzelunternehmern, bildet das zu versteuernde Einkommen die Grundlage für die Berechnung der Krankenkassenbeiträge. Entsprechend hohe Zinserträge erhöhen zwangsläufig den Beitrag zur Krankenkasse. Für Neugründer gibt es jedoch einen Lichtblick. Beträgt der persönliche Steuersatz weniger als 25 Prozent, kann die Differenz zu der von der Bank abgeführten Abgeltungssteuer im Rahmen der Steuererklärung zurückgefordert werden.

Regelung greift für alle Firmenkonten

Der hier dargestellte Sachverhalt greift natürlich nicht nur für Tagesgeldkonten, sondern findet für alle Erträge aus Kapitalvermögen von Unternehmen Anwendung. Für Unternehmer gilt also, strikt zwischen Privatvermögen und Firmenvermögen zu trennen. Gerade kleinere Unternehmer oder Neugründer verzichten, um den Aufwand zu minimieren, auf getrennte Konten. Diese Vorgehensweise kann sich allerdings als fatal herausstellen, da das Finanzamt im Zweifelsfall davon ausgeht, dass es sich um Firmenvermögen handelt und den für den Unternehmer ungünstigeren Ansatz, die Besteuerung auf der Grundlage der Gewinn- und Verlustrechnung, in Ansatz bringt.


Bildnachweis: RainerSturm / pixelio.de

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Alexander

Alexander studierte unter anderem Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Harz in Wernigerode und International Sales & Marketing an der Business Academy Southwest im dänischen Esbjerg. Seit 2009 ist er selbstständig im Bereich Onlinemarketing tätig.